Konzert in Coburg

von Torsten Hanft

Teatime mit Helge

Coburg, 2. April 1998 20.00 Uhr

Ich war ca. 30 Minuten vor Beginn in der Halle und es war schon ziemlich voll. Bis zum Beginn um 20.03 Uhr füllte sich der Saal komplett und alle erwarteten den Boss Helge. Bodo Oesterling kuendigte ihn auch gleich an und Helge kam auf die Buehne. Tosender Applaus (ein-zwei Zwischenrufer am Abend). Als es mal ruhig war pfiff einer und Helge sagte: "Hoer auf zu pfeifen, oder ich hau dir eine in die Schnauze!" So zaehmte er das Publikum vor weiteren Ausbruechen.

Helge begruesste alle und erzaehlte ueber seine Coburger Erlebnisse, da er zum ersten mal dort war. "Hier muss die Arbeitslosigkeit ja 99,8 Prozent betragen. Denn so viele Leute wie hier, sind mir noch nie tagsüber in einer Innenstadt begegnet...Auf dem Markt verkaufen die so alte Hosen die man gar nicht mehr anziehen kann." Nach diversen Geographischen Ausfluegen (Coburg an der Co, Co. KG, Coburg am Rhein) begann Helge im Kongresshaus Rosengarten bei sehr schlechter Luft, da der Architekt die Fenster vergessen hatte, mit dem Titel "Kocks Rhythmus". Danach musste Bodo ihm natuerlich einen guten leckeren Tee bringen. Leider war da eine Kakerlake drin, aber Helge trank einfach um sie herum.

Mit einigen Tanzeinlagen glitt er wieder zum Klavier hin und spielte "Allein an der Bar" (Klaus - HUHU? Klaus - HUUUUUHUUUU? Klaus - KLAUS!) In "Coburg Coburg Copoburg - Die Stadt der Kloese" waren natuerlich auch einige Kinder anwesend. "Kinder muessen in der heutigen Zeit schon mit 2 Jahren wissen, was sie spaeter mal werden wollen. Wenn sie dann vorm Feldwebel Alexander Tetzlaff stehen: 'Na was willst Du spaeter mal werden?' 'Feintechnisierungsmechaniksteuerungsoberbrandinspektor am liebsten bei der Post'". Ein Highlight folgte: "Pflaumenbaum - Across the sea". Helge verlor manchmal den Text und sang aus Versehen 'Über den Wolken' von Reinhard Mey. "Die Bienen haben einen guten Freund. Den Imker Klaus, er heisst Jochen!" Ausserdem erklaerte er dass der Pflaumenbaum wegen einer Nutella-Fabrik gefaellt wurde. "Nutella wird ja auch in der Schlachterei hergestellt. Da ist drin: Haeute, Knorpel, Gedaerme und das Braune. Was auch immer das heissen mag."

Helges Jugendzeit wurde natuerlich schon sehr frueh durch seinen Job im Schlachthaus als Entbeiner gepraegt. "Ich fuhr jeden Morgen mit meinem Tretroller um 4.00 Uhr ca. 35 km bis zum Schlachthaus. Da war ich dann so ca. 06.30 Uhr. Dort war ich Entbeiner mit 4 Jahren. Das ging dann bis 18.00 Uhr und dann noch nicht nach Hause. Nein, ich hab dann auch noch Zeitungen ausgetragen."

Helge verabschiedete sich in die Pause und erklaerte dem Publikum was man alles in der Pause machen kann. "Ihr koennt auch rausgehen und rauchen. Ich hab auch was zu Essen draussen gesehen, dort war Gras. Ihr koennt Euch auch alle kennenlernen, z. B. 'Hast Du mal eine Zigarette? - Nein, ich hab nur noch 21 Stueck und 4 Stangen und 34 Stangen im Auto - OK, dann versteh ich das natuerlich.' Mit Verstaendnis kommt man ja sehr weit. 'Koennte ich ein Bier haben? - Nein, ich hab nur noch 35 Milliarden Bruttoregistertonnen Bier und wenn jetzt noch jemand kommt und will eins, da kann ich dir jetzt nichts geben! - Das versteh ich natuerlich.'

Nach ca. 15 Minuten Pause kam Helge wieder auf die Buehne und scheuchte Bodo immerzu hin und her da Helge lieber Tee trank, als das Mineralwasser "FRANKEN BRUNNEN - Geeignet zum Zubereiten von Saeuglingen". Es folgte das Stueck "Katzeklo" bei dem auch das Publikum mitsingen durfte, und natuerlich Bodo, der seine Sache prima verstand. Helge versuchte ihn immer zum lachen zu bringen, in dem er seine Stimme genial verstellte und Katzeklo sang. Jeder lachte - ausser Bodo, der blieb hart. Doch nach einigen Minuten konnte auch er das Lachen nicht mehr halten.

Gerd Beethoven, ein begnadeter Kuenstler in Helges Augen. Deswegen durfte ein Potpurri von ihm nicht fehlen. Auch von Elvis ist Helge ein grosser Fan und deswegen trug er "Jailhouse Rock" vor, doch leider hatte die Gitarre kein Umhaengband, so dass ihm die Gitarre immer runterrutschte bis sie ganz kaputt war. Das machte aber nichts, er spielte weiter.

Auch ein ganz neuer Titel der noch nicht fertig war wurde gesungen: "Gegen den Strom"! So kam Helge auch auf die Gruppe PUR von der er folgendes sagte: "Ich bin auch Fan von der Gruppe PUR. Am besten gefällt mir die Frisur vom Sänger, aber nur bei Menschen!"

Bodo durfte dem Boss dann noch sein Schlachzeuch bringen, und Helge gab ein super Solo ab, obwohl er ja gar nicht Realitaet ist: "Ich bin nur Holografie!"

Nachdem Helge noch ein wenig uebers Coburger Kongresshaus gelaestert hat, ("Hier moechte ich nicht Elektriker sein" - die Halle hatte sehr viele kleine Lichter. "Coburg war einer der letzten Orte, die elektrisches Licht bekamen. Deswegen muessen die jetzt so protzen! Passt auf dass ihr nix geklaut kricht!... Das ist ein komischer Betonklotz mit viel zu engen Garderoben.") verliess er die Buehne.

Natuerlich kann Helge nicht ohne Zugabe gehen, und nach riesigem Applaus vom Publikum und einigen HELGE-Rufen, kam Helge wieder und gab eine Super-Zugabe an seiner Orgel.

Er erfand das Coburg-Lied und nachdem einer TEXAS gerufen hatte, spielte er auch das Lied. Der Takt war sehr langsam und Helge langweilte das. Deswegen stellte er den Takt schneller und es gab eine Highspeed-Texas-Version.

Helge gab auch noch eine zweite Zugabe und somit irgendwie den Knueller des Abends. Meisenmann. Kurzer Textauszug: "Sei nicht sauer kleiner Meisenmann, dass man dich jetzt von der Betonwand runterkratzen kann!". Aber mit so einem traurigen Lied wollte Helge uns nicht gehen lassen. Textaenderung: "Der Meisenmann fliegt in die falsche Richtung - gegen eine Kalksandsteinwand. Er hat grosse Schmerzen und stirbt." Aber das war ja auch viel zu traurig. Helge gestaltet den Text unwillkuerlich vom Feinsten. Und bis er den richtigen Text gefunden hatte war es auch ca. 23.13 Uhr. Er beschloss das Konzert mit folgenden Worten: "Coburg ist eine Stadt die man in jedes Poesiealbum schreiben sollte. Coburg an der Co. Ich bin ein Coburger, obwohl ich keine Zeit habe hier zu leben. Aber ich würde gerne hier neben den vielen anderen Hunden begraben sein."

Es war wirklich ein grosses Erlebnis Helge mal (ganz) live sehen zu koennen. Ein gelungener Abend ging zu Ende.

Torsten Hanft Torsten.Hanft@Kronach.Baynet.de

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