Helge Schneider ließ sich Tee in der Mitropa-Tasse servieren

Soloprogramm mit bewährten und neuen Gags - Sänger kämpfte mit der schlechten Akustik

von Bernd Martin

Halle/MZ. Helge Schneider hatte sich auf sein Konzert am Samstag gut vorbereitet: "Ihr seid das beste Publikum, das ich je hatte", lobte er zu Beginn seine Zuhörer in der ausverkauften Konzerthalle, um sofort eine Geschichte hinterherzuschieben, die er beim Bummel durch die Altstadt erlebt habe. Helge Schneider wollte das Händelhaus besichtigen, fand es aber fast nicht. Lange rätselte er vor dem Ärztehaus. Und als er Händels Haus schließlich doch fand, war Händel nicht da. Nur seine Mutter habe ihm aufgemacht. "Händel war wohl spazieren."

"Tastentöne bei einer Tasse Tee" heißt die aktuelle Tournee des vielseitigen Künstlers aus dem Ruhrgebiet. Schneider kam auf der Bühne ohne Band aus. Dem Musiker reichte ein schwarzer Flügel. In bekannter Manier verrenkte er sich, spielte Jazziges und Beethoven und gab "Intimes" aus seinem Leben preis. Passend zum Ambiente des Konzertes erinnerte er sich, daß er früher mal im Kirchenvorstand war und während der Andacht über Jesus und Beckenbauer erzählt habe. "Mit dieser Kombination hielt ich die Jugend bei der Stange." Helge Schneider wurde nicht müde, Unterhaltungsklischees auf die Schippe zu nehmen. Genüßlich tobte er sich beim Rock'n'Roll aus. Daß er beim "Jailhouse Rock" von Elvis die Gitarre zerbrach, störte nicht weiter. Locker zupfte er die herunterhängenden Saiten und schluchzte wie der King persönlich. Dazwischen gab es bewährte Gags und den Song "Katzenklo".

Leider kamen die musikalischen Qualitäten Schneiders in der Konzerthalle nicht voll zur Geltung. Die schlechte Akustik machte einiges zunichte, was ihn sichtlich ärgerte. "Es hallt mächtig hier in Halle", versuchte er die Problem zu überspielen, ließ aber schließlich seinem Mißmut freien Lauf: "Das ist schon unfair, hier spielen zu müssen." Die Zuhörer im hinteren Drittel der Halle mußten die Ohren spitzen, um mitzubekommen, was auf der Bühne geschah.

Übrigens: Für den Tee während des Konzertes sorgte Bodo. Helge rief und Bodo servierte - natürlich in der lindgrün umrahmten Mitropa-Tasse. Helge Schneider verließ sich bei seinem Soloauftritt in der Konzerthalle Ulrichskirche nicht allein auf seinen Flügel. Er bewies auch auf anderen, zum Teil recht unkonventionellen Musikinstrumenten, daß er ein Gespür für unterhaltende Klänge besitzt. Der rechte Durchblick ging ihm trotz der obligatorischen Sonnenbrille zu keiner Zeit verloren.

Der Artikel wurde uns freundlicherweise zugesandt von
Uwe Roehring. Er schrob unter anderem folgendes:

"Helge war sehr gut drauf, bis auf die Scheiß-Akustik, er spielte ca. 2 3/4 Stunden. Er hat sich gewundert, daß Halle nicht überdacht sei, wie es ja der Name ausdrückt, aber wahrscheinlich ist das Dach beim letzten Sturm weggeflogen. Das Konzert war jedenfalls sehr gut, daß man fast sagen kann, es war gut."

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