"Beethoven kennt ihr vielleicht von Playmobil"

Helge Schneider begeistert Publikum in der Hofer Freiheitshalle

Aus dem "Hofer Anzeiger" vom 6.4.98

Von Beate Franz

Schon bevor Helge Schneider überhaupt auf der Bühne im Festsaal der Hofer Freiheitshalle erscheint, ist im Publikum die Vorfreude auf ihn zu spüren. "Helge, wir lieben Dich. Deine Hippen" haben einige Hofer Teenager zur Begrüßung auf ein Plakat gemalt, andere haben sich Antennen mit schaukelnden Plastikherzchen auf den Kopf gesetzt, um ihre Sympathie mit dem Meister des Unperfekten kundzutun. "Helge"-Rufe und Pfiffe der Ungeduld tönen durch die völlbesetzte Halle. Das überwiegend jugendliche Publikum empfängt Helge Schneider mit tosendem Applaus.

HOF. - Der stakst steifbeinig auf die Bühne, winkt unbeholfen und entzückt die Fans sogleich: ,,Ja, herzlichen Dank. In Hof, einer der schönsten Städte im Hinterhof Europas, im schönen Vogtland. . .nee, hier is ia noch so zwei, drei Meter Bayern. Ich war auch schon in Paris gewesen, aber Hof ist natürlich viel schöner..." Den ganzen Abend wird der Mann in dem mittelblauen Anzug mit der knapp sitzenden und zu kurzen Jacke, der dunklen Rechteck-Brille mit den Straßsteinchen an der Seite und einem Kunstblumenbüschel in der Brusttasche nicht müde zu betonen: "Ihr seid das beste Publikum, das ich je gehabt habe. So ein Publikum hab' ich mein Lebkuchen noch nicht gesehen." Es ist einer seiner Running Gags, die er immer wieder einstreut auch wenn gerade mal absolute Ruhe im Saal herrscht.

"Der Tastengott kommt auf ein Täßchen Tee vorbei" heißt das neue Tourprogramm des genialen Quatschpoeten, der mit der Banalität seiner Aussagen - ,,der Tisch ist gut, weil da stehen Erdnüsse drauf" und der Art, wie er seine Texte und Lieder vorträgt, die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Besonders in Live-Situationen kommen Helge Schneiders schauspielerisches Talent und seine Fähigkeit zur Improvisation voll zur Geltung. Als einer im Zuschauerraum lautstark fordert: "Helge for Bundeskanzler", kontert der GagaMeister spontan in drei dürren Worten: "Nee, laß man".

"Mein größter Sport ist es, Kollegen zum Lachen zu bringen", konstatiert Helge Schneider mit Blick auf seinen Butler "Bodo", der ihn auf derTour als Knecht begleitet. "Das geht eigentlich ganz einfach", fährt Schneider fort und sagt: ,,Wurst." Bodo bleibt ernst. ,,Thüringer Wurst. Thüringer Rostbratwurst." Bodo bleibt ernst. ,,Thüringer Rostbratwurst hinten In der Schlafanzughose." Bodo lacht, das Publikum sowieso und Helge auch, künstlich: ,,Hahaha, es ist schön, wenn man noch natürlich lachen kann." Helge Schneider könnte auch aus dem Telefonbuch rezitieren. Es ist die breite Palette verschiedenster Tonlagen und Stimm-Imitationen, die der Comedy-Künstler drauf hat die seine Fäns in Entzücken versetzt.

Genauso wie sein Klavierspiel begeistert: Schneider beherrscht das Instrument virtuos, beginnt mit Beethoven - "den kennt ihr vielleicht von Playmobil, die Frisuren" - und verfällt scheinbar absichts- und übergangslos in die "Bonanza"-Erkennungsmelodie, die plötzlich zum Flohwalzer mutiert und nahtlos beim Schlager "Kung Fu Fighting" endet. Pannen und perfekt gespielte Ungeschicktheiten sind Helge Schneiders Markenzeichen. Ebenso wie seine gesungenen Improvisationen mit schrägen Reimen: "Ich bin ein Hofer geworden. In Hof lebt die Musik. Hof, Hof, Hof. Hof Ist nicht doof. Es ist toll. Drum werd' ich hier aber trotzdem nich´ oll. Ich fahr´ nach Hause, gleich ist Schluß. Denn draußen steht schon euer Bus. Er nimmt euch mit in andre kleine Dörfer. Denn Hof ist klein. Da passen nlcht alle rein, die hier sind."

Die Abkehr vom sonst allgegenwärtigen Perfektionismus und der Mut zum vollkommenen Blödsinn sind es offenbar, die HeIge Schneider für viele zum Kultstar machen. Am Freitag abend in Hof jedenfalls zeigte sich einmal mehr: Das Phänomen Helge Schneider muß man live erlebt haben, um verstehen zu können, was seine Fans an ihm so lieben.

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