Katzeklo-Gemeinde kurz vor der Hysterie

Helge Schneider schwadronierte im Riesaer "Stern"

Von Andy Dallmann

Die Zeiten der Perücken und Plateausohlen sind vorbei, die Begleitmusiker beurlaubt, aber eins steht fest: Helge bleibt Helge. Davon war am Freitag auch das Publikum im ausverkauften Riesaer "Stern" überzeugt, denn schon als der skurrilste Enterainer der Nation durch den Bühnenvorhang lugte, tobte der Saal. Daran änderte sich bis zum Schluß der Show nichts, selbst mit vergleichweise ernsthaften Statements konnte Helge Schneider den Frohsinn kein bißchen bremsen. Statt mit Bigband-Unterstützung oder im mittlerweilen legendären Trio rackerte sich die "singende Herrentorte" (Selbsteinschätzung) diesmal alleine ab, nur der fast unvermeidliche Lehrling durfte seinem Chef gelegentlich hilfreich zur Seite stehen. Die Zwischentexte, Schneider-typisch zwischen geistreichen Wortspielen und vollkommenem Blödsinn austariert, wirkten zwar spontan, waren's aber nicht Wer die auch im "Stern"-Foyer angebotene CD "Helge live" vor dem Auftritt des Barden gehört hat, konnte zumindest bei jedem zweiten Gag soufflieren. Dennoch faszinieren die teilweise kruden Schneiderschen Gedankengänge sicherlich jeden der seinem gewöhnungsbedürftigen Humor etwas abgewinnen kann. Ob das nun der Running Gag mit der Kakerlake in der Teetasse oder die Verballhornung von Beethovens Mondscheinsonate ist. Selbst politisch wagt sich Schneider nach vorn: "Mir wachsen die Haare nicht mehr - aus Protest gegen die Regierung Kohl." Und manchmal spielte er auch Klavier, Gitarre oder Melodika, Marke "Rapunzel-Johannes". Ohne Längen ging das Ganze nicht ab, vielleicht fehlt Schneider angesichts jubelnder Fans einfach die Herausforderung. So wurde bei seinem Blödel-Hit "Katzeklo" der "Stern" zum Gemeindesaal, seine Schäfchen kriegten sich vor gläubiger Begeisterung kaum wieder ein und übertrafen ihr Idol sogar an Textsicherheit. Für künftige Programme muß sich Schneider etwas Neues einfallen lassen, denn durch die blanke Wiederholung latscht sich seine Masche tot. Und um die wäre's eigentlich schade.

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